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Unmittelbar nach dem ersten Erdbeben am 17. August 1999 stellte TDM eine achtköpfige Mannschaft aus Ärzten und Pflegepersonal zusammen, die ausgerüstet mit medizinischen Hilfsmitteln eine Woche später im Erdbebengebiet eintrafen. Vom dortigen Krisenstab wurde die Gruppe nach Gölyaka, einer Kleinstadt in der Nähe der Stadt Düzce geschickt, wo dringend Hilfe benötigt wurde. Unter schwierigen Bedingungen, die kleine Erste-Hilfe-Station des Ortes war stark beschädigt, versorgte die Gruppe eine Woche lang fast pausenlos gemeinsam mit dort ansässigen ärzten die Bevölkerung. Inzwischen wurden hier Spenden in Form von Geld oder medizinischen Hilfsmitteln und Medikamenten gesammelt. Anfang September wurde ein LKW mit Hilfsmitteln und Medikamenten im Wert von etwa 30.000 DM. ins Erdbebengebiet geschickt. Die Geldspenden beschlossen wir direkt an die Betroffenen zu übergeben. Der Kontakt zu den ärzten und zum Bürgermeister in Gölyaka wurde auch nach Rückkehr unserer Hilfsgruppe aufrecht erhalten, so daß mit deren Hilfe besonders bedürftige Personen ausfindig gemacht wurden: alleinstehende Mütter mir Kleinkindern; Jugendliche, die zu Waisen geworden sind; Personen, die an den Folgen ihrer Verletzungen leiden, arbeitsunfähig und behindert sind; alle haben mehrere Familienangehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Daher flogen wir am 12. November mit reichlich Bargeld in die Türkei. Bei unserer Ankunft auf dem Flughafen in Istanbul erfuhren wir, daß vor zwei Stunden erneut ein schweres Erdbeben die Stadt Düzce verwüstet hatte. An eine Weiterfahrt nach Gölyaka war nicht zu denken, da sämtliche Zufahrtsstraßen in das Gebiet für den Privatverkehr gesperrt waren. Am nächsten Morgen gelang es uns, einen Passierschein zu erhalten. Die etwa 150 km lange Fahrt nach Düzce führt durch Erdbebengebiet. Drei Monate nach dem ersten Beben sind die Aufräum- und Abbrucharbeiten noch immer nicht abgeschlossen, überall liegen Schuttberge und Trümmer, dazwischen fast endlose Zeltstädte. Die Städte selbst wirken geisterhaft. Doch was wir in Düzce sahen, ist unbeschreiblich. Es herrschte ein riesiges Chaos. Leute, die ihre Angehörigen suchen und beweinen, Rettungsmannschaften bei Grabungen, einige Häuser brennen, Krankenwagen bahnen sich ihren Weg und überall brennen offene Feuer, um die die obdachlos gewordene Bevölkerung sich gruppiert, um sich in der Kälte etwas aufzuwärmen. Über der ganzen Stadt hängt ein merkwürdiger Geruch und es ist eisig kalt.
Auch in Gölyaka war die Lage nicht anders. |